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 THE ANCHOR

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Kishou
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BeitragThema: THE ANCHOR   Mi Jul 05, 2017 2:33 am

PROLOG



2010; ENDE SEPTEMBER; NEW ORLEANS

Leichtfüßig flogen vier Pfoten über den laubbedeckten Boden, einzig das Knistern kleiner Zweige ließ darauf schließen, dass sich etwas im Wald bewegte. Vor zwölf Minuten hatte sie einen unbekannten Rüden gerochen, seither war sie ihm gefolgt und wusste, dass er ihre Anwesenheit nach nur fünf Minuten bemerkt haben musste. Aber weshalb verscheuchte er sie nicht? Sein Revier, seine Regeln.
Nichts geschah.
Die Fähe senkte den Kopf, um sich seinen Geruch einzuprägen. Der Spur zu folgen war nicht mehr notwendig, weil sie ihn längst im Blick hatte. Ein großer Rüde, dessen Pelz genauso dunkel war, wie ihres hell. Fünf Meter trennten die Wölfe nur noch voneinander. Also warum unternahm er nichts gegen ihre Anwesenheit? Sein Desinteresse war untypisch für einen Wolf seines Ranges, zudem er ohne sein Rudel hier war. Aus diesem simplen Grund war ihre Neugierde geweckt, deshalb folgte sie dem schwarzen Wolf, ohne ihm zu nahe zu kommen. Wenn er sich nicht daran störte, weshalb sollte sie es auch nicht tun?
Sein Gang flüssig zugleich auch geschmeidig, aber durch seinen gesenkten Kopf und dem herabhängenden Schweif wirkte er träge. Ziellos, das war die treffende Beschreibung für den in Wolfsgestalt verharrenden Tiergeist, selbst wenn er eine unglaubliche Ruhe dabei ausstrahlte. Die Körperhaltung hatte eine unglaublich traurige Wirkung auf sie und der menschliche Instinkt wollte zu ihm hingehen, ihn streicheln, trösten und beruhigen. Während der tierische Teil von dieser Situation verwirrt als wirklich angetan war. Trotzdem ging die hellbraune Fähe weiter, setzte eine Pfote vor die andere, denn es war ihre Natur einer autoritären Person zu folgen.
Wachsam drehten sich ihre Ohren in alle möglichen Richtungen, damit kein verdächtiges Geräusch verloren ging und ihr leuchtender Blick wagte sich nur kurz von dem Alpha abzuwenden, sobald ein leises Knacken zu hören war. Zum Glück stellte nichts eine Gefahr dar, lediglich der Gesang der Natur begleiteten zwei Tiere auf ihrem Weg. Die Zeit verging und insgeheim fragte sie sich, ob der Schwarze ein Ziel verfolgte, oder sich nur seine Beine vertreten wollte. Oder ob der Wahnsinn seinen Weg durch die Bäume leitete.
Seine Schritte wurden langsamer und hätte die Wölfin einen Moment nicht aufgepasst, so hätte sie seine persönliche Grenze überschritten. Ein fremder Geruch vermischte sich mit dem Unterholz und den vertrauten Düften des Waldes. Das darauffolgende Knurren hätte einem beinahe glauben lassen, dass es von dem Rüden ausging, aber als die Fähe ihren Kopf leicht nach links neigte, konnte sie den Ursprung des grollenden Lautes erkennen.
Es war ein Kojote. Für gewöhnlich vermieden es Tiere sich einem Werwolf zu nähern, selbst richtigen Wölfen gingen sie aus dem Weg. Doch dieses Exemplar fletschte seine spitzen Zähne und ließ ein drohendes Geräusch verlauten. Sein Blick war dabei auf den schwarzen Rüden gerichtet, der dem Szenario immer noch die kalte Schulter zeigte. Dann lief der Kojote los. Im selben Augenblick kam auch die Wölfin in Bewegung. Was auch immer den kleinen Räuber dazu animierte, ihr war sofort klar, dass sie nicht zulassen würde, dass er den Alpha verletzte. Ihr Herz raste vor Aufregung, stumpfe Krallen gruben sich mit jedem Bodenkontakt tief in die Erde. Ein Kampf war bisher noch nie eine Option für sie gewesen, selbst wenn man es sie gelehrt hatte. Nur pumpte das Adrenalin bereits durch ihren Körper, weil ihr Verstand sagte: Du kriegst ihn auf keinen Fall.
Einen halben Meter vor dem dunklen Rüden erwischte sie den Kojoten an der Flanke. Das Jaulen, die Wendung des kleinen Körpers, brachte schier das Leben in den Wald zurück. Es scheuchte sämtliche Vögel aus den Baumkronen, während Wolf und Kojote im Kampf miteinander kollidierten, knurrten, gegenseitig verletzten. Auch dem Schwarzen blieb nichts anderes mehr übrig als sich dem Schauspiel zuzuwenden, eingreifen tat er allerdings nicht. Und das war auch nicht notwendig, denn sobald sie es geschafft hatte, den kleinen Jäger von ihrer Schulter zu zerren, erwischte ihr Gebiss dessen Kehle und drückte zu. Der Kampf ums Überleben dauerte endlose Sekunden, bevor der Körper zwischen ihren Zähnen erschlaffte und das tote Tier loslassen konnte. Es war vorbei.
Die beigefarbene Fähe blickte mit ihren glashellen Augen auf, begegnete dem intensiven Blau eines Augenpaares. Der Wolf fletschte die Zähne. Die Stille, die ihn bei dieser Geste begleitete, war bedrohlich. Sie konnte schwer sagen, ob er über ihre Hilfe dankbar war. Allerdings ließ sie sich nicht dazu hinreißen es herauszufinden und machte im Stand kehrt, um im Unterholz zu verschwinden.


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L'infinité magnifique
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Zuletzt von Kishou am Mi Aug 23, 2017 11:06 pm bearbeitet; insgesamt 8-mal bearbeitet
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Kishou
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BeitragThema: Re: THE ANCHOR   Mi Jul 05, 2017 2:38 am

KAPITEL EINS



Am späten Nachmittag erreichte Josephine mit ihrem Jeep das Jackal & The Fairy und blieb noch einen Moment sitzen, um sich den frühen Nachmittag nochmal in ihre Erinnerung zu rufen. Dieser Wolf ging ihr nicht mehr aus dem Kopf, aber abgesehen von dem kleinen Zwischenfall, hatte sie es als aufregend empfunden. Verträumt strichen ihre Hände über das Lenkrad. Sie wollte unbedingt ein Teil davon sein, doch vorerst sollte sie sich auf das hier und jetzt konzentrieren. Auf den Teil, der bereits zu ihrem Leben gehörte.
Also stieg sie aus ihrem Fahrzeug und marschierte zum Eingang des beliebtesten Irish Pub im French Quarter. Seit nun knapp einem Jahr arbeitete sie schon im Jackal & The Fairy, ein Zufluchtsort für viele übernatürlichen Wesen und könnte sich nichts Besseres vorstellen. Selbst das hiesige Rudel, Time Hollows genannt, waren oft gesehene Gäste. Nicht nur Josephine, sondern auch andere Wolf Tiergeister konnten dieses Pack nicht ausstehen. Sie kamen vor dreißig Jahren nach New Orleans, besetzten und beherrschten die Stadt ohne Rücksicht, es wurde zur Regel, dass kein anderes Rudel es wagen sollte, sich hier blicken zu lassen und somit blieben die meisten Tiergeister alleine oder bei ihren Familien. Es gab nur einen Weg aus dieser Einsamkeit und damit man in der Gemeinschaft aufgenommen werden konnte. Man müsste sich von einem Vampir beißen lassen, um entweder zu sterben oder sich in einen Den Inra verwandeln. Die Chance, dass man die Verwandlung in einen Tiergeist-Vampir-Hybriden überlebte, war so gering, dass es kaum jemand wagte, diesen Schritt zu gehen.
Josy seufzte schwer, wohl wissend, dass ihr eine Begegnung mit dem Den Inra Rudel nicht erspart blieb. Ihre Gedanken zerstreuten, sobald sie die Tür aufstieß und der aromatische Geruch von altem Holz entgegen drang. Flüsternde Klänge des Pianos drangen in ihr Ohr und sie fühlte sich wie zu Hause.
Wenn nicht sogar mehr als das. Hier gehörte sie einfach hin. Die Räumlichkeit bot genügend Platz, selbst für eine Tanzfläche, die sich vor der Bühne am linken Ende des Raumes befand. Die Bar war der sofortige Blickfang, wenn man eintrat, und schloss gleich an gemütliche Sitznischen an. Auch wenn das Innere nicht so prunkvoll, wie man es in New Orleans gewöhnt war, so konnte man sich dennoch wohlfühlen. Spätestens dann, wenn die Live Band so richtig loslegte und zahlreiche Gäste zum Tanzen bewegte. Jetzt war es jedoch noch menschenleer und das Einzige was den Raum füllte waren Charlie Puth, deren Einmannarmee als Vorband sowie Techniker für Instrumente, am Klavier und Deus Faulkner, ihr Vorgesetzter, welcher an der Bar seiner Tätigkeit nachging.
“Hey, Leute!”, begrüßte LaRue ihre Kollegen mit einem Lächeln, während die Dunkelhaarige den Trageriemen ihrer Tasche über den Kopf zog. Wie gewohnt legte sie ihre Sachen, Tasche sowie Mantel, auf dem äußersten Rand des Tresens ab und begab sich hinter die Bar, um Deus flüchtig in die Arme zu schließen. Von der Bühne aus kam eine Begrüßung, welche nahtlos im leisen Gesang überging.
“Hey Jo - was hast du denn da?” Da seine Hand auf ihrer blanken Schulter lag, weil sie nur ein bedrucktes, schwarzes Trägershirt trug mit der Aufschrift HashtagBeast, konnte er die kleinen Einstiche der Kojoten Zähne spüren. Deus strich das schwarze, lange Haar beiseite und drehte Josephine so herum, dass er einen Blick darauf werfen konnte. Eine gerunzelte Stirn sagte mehr als tausend Worte. Musste wohl noch schlimmer aussehen, als es sich anfühlte, denn die Wölfin war sich sicher, dass diese Wunde bereits am Verheilen war. Es juckte einfach fürchterlich.
“Was war das?”, fragte der junge Mann nach und wies mit einem Nicken auf ihre Bissstelle.
“Ein Kojote”, erklärte sie ihm mit einem Zucken ihrer Schultern. Drehte sich daraufhin weg, um nach einem Glas zu greifen, die vor der Öffnung noch gereinigt gehörten. “Aber ich habe den Leitwolf getroffen”, plauderte Jo munter drauf los, um sogleich vom Thema abzulenken. Nur mit dem kleinen Nebeneffekt, dass Deus davon noch weniger begeistert zu sein schien.
Die tiefen Sorgenfalten zerstreuten und verwandelte sich in ein Heben der Augenbrauen. Sein Blick fragte nur zu deutlich: was?
Doch stattdessen meinte ihr Vorgesetzter nur: “Josh Law?”
Josephine schüttelte den Kopf und grinste dabei ohne den Faulkner auch nur anzusehen. “Den anderen.”
“Josy!” Seine Stimme war von einem vorwurfsvollen Hauch belegt, doch das Tiergeist Mädchen hatte keine Gewissensbisse, konnte ihrem Kollegen aber auch nicht erzählen, welch Interesse sie an dem Alpha hatte. Sie konnte es sich selbst nicht genau erklären, aber eines wusste sie mit Sicherheit: Das sollte ihr Rudel werden! Nicht die Time Hollows und Schluss mit der Einsamkeit!
Behutsam stellte sie die gewaschenen Gläser zurück ins Regal, wischte über die Arbeitsfläche und warf einen Blick in die Kühlung. Alles voll, nichts fehlte.
“Warum habe ich dir eigentlich davon erzählt?”, beschwerte sich Deus leise über seinen eigenen Fehler. Josy sah zu ihm auf, um seinen bekümmerten Blick zu begegnen. Diese Fürsorge berührte sie, war jedoch sehr leicht zu missverstehen, weshalb sie sich an den Tag zurückerinnerte, an dem sie ihn nach einer Verabredung gefragt hatte. Er hatte mit seinem warmen Lachen und einem Danke abgelehnt, keineswegs schlimm wie Josephine damals fand, denn Deus Faulkner war ein Engel. Im wahrsten Sinne des Wortes, wie sich damals herausstellte. Es war nicht so, dass er nicht wollte, sondern, dass er nicht durfte. Diese Bindungen waren verboten.
Anfangs konnte Josephine es kaum glauben, obwohl sie selbst zu den ›Abnormalen‹ zählte und auch schon genug gesehen hatte, doch Engel waren selbst für sie etwas weit hergeholt. Bis zu dem Tag, an dem sie sich selbst davon überzeugen durfte.
“Weil ich eine gute Freundin bin, du mir vertraust und du eine Spürnase brauchst?”, versuchte sie es mit einer Erklärung, lächelte scheu und tippte sich zum Schluss gegen die Nase. Er erwiderte das Lächeln.
“Lass es mich nicht bereuen”, konterte der Barkeeper und beide gingen wieder ihrer Aufgabe nach.

Es war eine Erleichterung, dass nach vier Stunden purer Dröhnung an Musik, schwitzenden Leibern und nervigen Anmachen sich Josy endlich zu ihrer Kollegin in der Küche zurückziehen konnte. Arden Pine war der einzige Stern in diesem Pub, der vollkommene Ruhe ausstrahlte, was wohl auch an ihren Katzen Genen liegen könnte. Als Tiergeist trug sie die Form einer norwegischen Waldkatze, ebenso wie ihr jüngerer Bruder Slater. Sie waren alle ein bunter Haufen und Josephine liebte sie wie eine Familie.
“Musst du heute wieder vor 23:00 Uhr gehen?”, fragte Arden, die sich in dieser klein gebauten Küche gegen die Ablagefläche lehnte. Sie hatte eine rote Strähne ihres Haares zwischen Zeige- und Mittelfinger gefangen, während ein besorgter Blick sich auf Josy richtete. Die Wölfin nickte sachte.
“Ja, Deus sagt, ich soll zehn Minuten vorher verschwunden sein, bevor sie auftauchen.” Jede Begegnung mit den Time Hollows war als Tiergeist zu vermeiden und dieser Pub wurde von ihnen gerne besucht.
“Diese Typen wollen einfach nicht aufgeben”, murmelte Josephine mit einem schweren Seufzen. “Immer wieder fragen sie mich nach meiner Mutter.”
“Sie ist auch eine tolle Frau.” Arden schenkte ihr ein liebevolles Lächeln. Als eine ihrer besten Freundinnen, wusste die Katze viel über ihr Familienleben, was sie aber nicht daran hinderte, Folgendes zu äußern: “Ich freu mich darauf, wenn du endlich umgezogen bist und wir beide gleich nach oben verschwinden können.”
Ein sanftes Lächeln schlich sich auf die Lippen der LaRue.
Auch sie fieberte vor Freude dem Umzug entgegen, wodurch sie sich näher bei ihren Freunden aufhalten konnte. Das einzige Prob-lem dabei war, dass aus einem Zweimannrudel - bestehend aus ihrer Mutter und ihr - nur noch eine Wölfin wurde und sich ihre Sehnsüchte nur verschlimmerten. Doch dies wollte sie ihrer Freundin nicht mitteilen, es betraf sie auch nicht.
“Dann können wir jeden Tag irgendwelchen Unsinn treiben und Slater und Charlie auf die Palme bringen …”, lenkte Josy stattdessen schwärmerisch ein, holte noch tief Luft als wollte sie eine unendliche Liste an Situationen aufzählen, die ihr gerade so durch den Kopf schoss.
Ardens Gesichtsausdruck zeigte gespielte Erschrockenheit. “Jeden Tag!? Du weißt, ich brauch mein Sonnenbaden! Und meine Waschzeit! Und ...”
“Meow!”
Beide Mädchen verfielen in ein Lachen, bis sie plötzlich unterbro-chen wurden von Ardens WG-Mitbewohner und beider Kollegen. Charlie Puth. Er machte mit einem »Josy? Nathan ist hier und sucht nach dir« auf sich aufmerksam. Charlie, der Hexer in der Runde, war bekannt für seine engelsgleiche Stimme, sein enormes Wissen über Musikinstrumente und seiner magischen Kraft. Noch dazu war er ein wirklich gutherziger Kerl, mit dem man gerne über das Weltgeschehen philosophieren konnte.
“Dann geh ich mal …”, seufzte die Wölfin und ging aus der Küche, nickte Deus kurz zu, der noch immer hinter der Bar stand und ging zu den Sitznischen, wo sie Nathan vermutete. Finden konnte sie ihn unter den sitzenden Gästen allerdings nicht, deshalb nutzte sie ihre sensibilisierten Sinne, um seine Fährte aufzuspüren. Der Geruch ihres Ex-Freundes hatte sich schon lange in ihrer Nase eingebrannt. Eine Mischung aus Ethanol, Eichenrinde, Salbei und diese persönliche Note von Chemikalien, welche für Josy unvergleichbar waren.
Sie hatte ihn auf Anhieb gefunden, denn er stand direkt hinter ihr. Schlang seine Arme um ihre Taille und flüsterte ihr ein »Hey, Süße« ins Ohr.
Er war eindeutig benebelt, was nur an den Wunderpillen liegen konnte, die man extra für Werwölfe und Vampire geschaffen hatte. Alkohol, Drogen und sonstige diverse Rauschmittel hatten sonst keine Wirkung.
“Nathan Kendric!” Die Schwarzhaarige drehte sich in seinen Armen zu ihm um, blickte zu ihm auf und bemühte sich dabei zu lächeln. “Was willst du denn? Meine Pause ist bald wieder vorbei.” Mit einem Schritt rückwärts versuchte Josephine sich auch gleichzei-tig von seiner Umarmung zu befreien, denn wenn Nate ein wenig angeheitert war, konnte er ziemlich anhänglich sowie aufdringlich werden. Wie bei allen Frauen die sich in diesem Raum aufhielten, Altersbegrenzungen waren dabei nicht ausschlaggebend. Leider wirkte das bei diesem dunkelhaarig, gutaussehenden Musiker vortrefflich, was einer der Gründe war, weshalb die Werwölfin diese Beziehung beendet hatte. Einen gewissen Grad an Freundschaft und Gegenleistung herrschte trotzdem noch zwischen ihnen.
“Bringst du mich heute nach Hause?”, surrte der Gitarrist mit dem Versuch das leise Lallen mit einem verführerischen Unterton zu kaschieren. Es klang nur einfach nicht gut.
“Klar.” Für Josy war das keine große Sache und es war ihr sogar lieber, als wenn er in seinem Zustand seinen Weg nach Hause selbst antreten würde. Da er außerhalb vom French Quarter wohnte, wäre dies ein langer Weg und Nathan ging einfach nicht zu Fuß. “Wenn es nur das ist, kein Problem”, fügte die Lykanerin noch hinzu. Diesmal war das Lächeln weniger erzwungen. Nathan trat jedoch näher an sie heran, fasste mit beiden Händen nach ihren Oberarmen, um sie fest-zuhalten und brachte seinen Mund dicht an ihr Ohr. Als ob sie ihn aus der bisherigen Distanz mit ihrem guten Gehör und trotz der laut-starken Musik nicht auch gehört hätte. “Gehen wir davor noch eine Runde Laufen?” Dieses Mal klang seine herabgesenkte Stimme wirklich verführerisch und ihr wurde sofort bewusst, dass er nicht ganz so benebelt war, wie er vorgab zu sein, denn ihr Ex-Freund wusste genau, womit er sie ködern konnte. Also blieb ihr gar nichts anderes übrig.
“Okay …”
Mit einem Werwolf zu laufen, kam dem Gefühl sehr nahe einem Rudel anzugehören. Für gewöhnlich machte sie dies mit ihrer Mutter, wenn Misses LaRue einmal die Zeit dazu fand, doch als Künstlerin und Galeristin waren solche Momente sehr rar gesät. Nathan wusste das. Und er nutzt ihre Schwäche vollkommen aus, aber wie auch sonst ging Josy darauf ein und würde es wie sonst auch nicht bereuen. Eine gewisse Vorfreude machte sich schon in ihr breit, gepaart mit langsam wachsender Ungeduld. Eigentlich konnte sie es jetzt schon kaum abwarten. Dennoch war der Abend jung und es wartete noch eine Menge Arbeit auf die junge Werwölfin, weshalb sie ihre rechte Hand an Nathans Hals legte und einen flüchtigen Kuss gegen seine Wange drückte.
Nachdem das geklärt war und sie ihre Pause mit belanglosen Ge-sprächen verschwendet hatte, ging Josephine wieder an die Arbeit. Das Versorgen von Gästen, abwischen von Gläsern und wegschmei-ßen von leeren Energy Dosen war immer der Höhepunkt ihrer Arbeit. Einzig allein die Musik machte nervige Gespräche mit betrun-kenen Jugendlichen wirklich unterhaltsam und im Moment coverte irgendeine No-Name Band das Lied `Sex on Fire’ von Kings of Leon. Damit konnte man wirklich die Zeit vergessen …
Etwa eine halbe Stunde vor ihrem Dienstschluss wurde Josy je-doch kurzzeitig auf einen Geruch aufmerksam, dachte sich jedoch nichts dabei, hielt es für eine Einbildung. Doch wenige Augenblicke später wurde sie auf einen jungen Mann aufmerksam, der sich mit seinen zwei Begleitern an die Bar setzte und drei Gläser Bourbon verlangte. Warum das so überraschend für die Wölfin war, lag daran, dass sich ihr Blick mit dem des Bestellers kreuzte und sie in ein paar ozeanblauer Augen versank. Es war ein besonderes Blau, doch nicht die Augenfarbe, nach der sie suchte. Alle drei Jungs hatten dunkles bis schwarzes Haar, markante Gesichtszüge und eine wilde, wölfische Ausstrahlung. Dass sie Brüder sein mussten, stand außer Frage und die Tatsache, dass alle drei Werwölfe waren ebenso wenig.
Josy konnte es riechen. Konnte ihn riechen.
Noch während sie den Bourbon in die Gläser einschenkte, wanderte ihr Blick prüfend über die drei Neuankömmlinge. Der, der bestellt hatte, konnte es auf keinen Fall sein. Ebenso wenig wie sein Sitznachbar, denn dessen grüne Augen hatten ebenso etwas Besonderes an sich. Letztendlich blieb ihr Blick an dem Letzten haften, und als ob er es gespürt hätte, wandte er sein Gesicht in ihre Richtung.
Er war es! Daran gab es keinen Zweifel. An seinem Geruch hafte-te immer noch diese Spur von Moschus, diese einzigartige Note von Wolf und Wald. Und auch nach seiner Reaktion, dieser grimmig werdende Gesichtsausdruck, machte deutlich, dass er ihren Geruch ebenso erkannt hatte. Wie es diese minimalen Zufälle so wollten, hatten sich ihre Wege zwei Mal an einem Tag gekreuzt.

“Hey, Kleine? Bist du eingeschlafen?”, machte der Werwolf mit den ozeanblauen Augen auf sich aufmerksam und klopfte mit dem Zeigefinger ein paar Mal auf die Theke. Josy blinzelte kurz, riss sich von dem Anblick ihres Wolfes los und schenkte den Bourbon aus. Sie hatten sich den denkbar schlechtesten Zeitpunkt ausgesucht, um hier aufzukreuzen. Nicht, dass sie wirklich etwas dagegen gehabt hätte.
Im Gegenteil. Josephines Blick streifte wieder den Jungen, doch er hatte den Kopf wieder abgewandt, sein ganzer Körper signalisierte Langeweile, so wie er mit seiner rechten Hand das Kinn abstützte und zwischen den linken Fingern das Glas drehte. Vollkommenes Desinteresse an seiner Umwelt. So wie es sich im Wald abgespielt hatte. Es war schwer sich wieder auf ihre Arbeit zu konzentrieren, weil sich leichte Sorge in ihr breitmachte. 25 Minuten. So viel Zeit blieb ihnen noch bevor Josh Law und sein Rudel eintraf und es würde zu einer Auseinandersetzung kommen. Vermutlich ging es sogar so weit, dass die hier anwesenden Menschen darunter zu leiden hatten.
Nathan, der sich seit ihrem kurzen Gespräch nicht mehr hatte bli-cken lassen, tauchte plötzlich wieder an der Bar auf, direkt neben ihrem Wolf. Das unterschwellige Knurren war für jeden der Wer-wölfe an dem Tresen zu hören, doch der Gitarrist ignorierte es kom-plett.
“Wir verschwinden dann mal ins Mocking Hat”, teilte der Kendric ihr mit. Das war nur einen Block weiter und diente nur zur Information, wo sie ihn abholen konnte.
Josy nickte knapp und damit verschwand er auch schon wieder. Jeder Werwolf kannte die Regeln, deshalb kamen sie meistens frü-her, noch bevor die Time Hollows im Pub aufschlugen. Mit diesen Gedanken kehrte die Wölfin wieder zur Anwesenheit der Neuen zurück. Derjenige, der den Bourbon bestellt hatte, versuchte seinen grünäugigen Sitznachbar in ein Gespräch zu verwickeln, doch dies erwies sich als schwierig, weswegen der dunkelblaue Blick sich wieder auf sie richtete. Das Lächeln auf seinen Lippen gefiel ihr überhaupt nicht.
“Na, Schätzchen? Wann hast du denn heute Feierabend?” Unverblümt lehnte er sich nach vorne.
“Travis! Lass doch den Mist”, zischte Grünauge, der sich als Einziger dafür interessierte, dass sein Bruder keinen Unfug anstellte. Die Enttäuschung für Josy war, dass sich ihr Wolf immer noch keine Reaktion zeigte.
Ein leises Seufzen entwich der Wölfin. Zufällig sah sie in Deus Richtung und bemerkte die tiefe Sorgenfalte auf seiner Stirn. Ihm war das Ankommen des Jungrudels nicht entgangen und auch das sie sich zufällig von der LaRue bedienen ließen, sie ansprachen, war ein Teil seiner Befürchtung.
Nachdem er das Nachfüllen des Alkohols beendet hatte, kam er an ihre Seite und sprach das an, was Josy schon die ganze Zeit beunruhigte.
“Ihr könnt nicht hierbleiben.”
Das war eine Ansage, die selbst dem desinteressierten Alpha auf-horchen ließ. Himmelblau. Das war es, woran seine Augenfarbe sie erinnerte. Doch der Ausdruck hatte wenig mit einem wolkenlosen, friedlichen Himmel zu tun, sondern wirkte mehr wie das drohende Aufziehen eines Gewitters.
Es war Grünauge, der sich zuerst zu Wort meldete. “Bitte?” Die verblüfften Fragezeichen standen ihm ins Gesicht geschrieben. “Ihr habt doch noch länger geöffnet?” Sein Wissen wurde eher als unsi-chere Frage formuliert.
“Wir bleiben!”, bestimmte plötzlich ihr Wolf mit fester Stimme, der Klang löste in Josephine sofort eine Gänsehaut aus und war auch der Auslöser dafür, weshalb sie nach Deus Ellenbogen griff. Ihre Sinne spielten eindeutig verrückt, doch lag es an dem Jungen selbst, oder an der Tatsache, dass sie um jeden Preis ein Mitglied dieses Rudels werden wollte. Vielleicht sogar beides. Ihr rationales Denken hatte auf Standby umgeschaltet und stand nicht mehr für vernünftige Handlungen zur Verfügung. Es wäre daher klüger gewesen ihrem Kollegen diese Situation zu überlassen, doch Josy wusste, wie wenig Deus von ihrem Vorhaben hielt. Er würde dafür sorgen, dass die Halbfranzösin keine Chance hatte, sich dem Rudel anzuschließen.
“Wir wollen Euch nicht rauswerfen …”, lenkte sie daher ein, “Aber Ihr seid mit unseren Regeln nicht vertraut. Werwölfe sollten seit acht Minuten sich hier nicht mehr blicken lassen.”
Die schockierten Gesichter und das überraschte Zusammenzucken über ihre Offenheit machten deutlich, dass sie Deus als einen Menschen einschätzten und keine Ahnung davon hatten, was er in Wirk-lichkeit war. Nicht verwunderlich, da Josephine damals auch keine Ahnung gehabt hatte. Zumindest hatten sie jetzt die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der drei Lykaner.
“Wir wollten keinen Ärger machen”, sagte Grünauge. “Den macht Ihr auch nicht”, versuchte die Wölfin sie zu beschwichtigen, “Die Drinks gehen aufs Haus, aber kommt doch bitte ein anderes Mal wieder … und früher.” Hoffentlich hatte sie die Jungs damit nicht gänzlich vergrault, doch der Mittlere schien wenigstens einsichtig zu sein, wohingegen dieser Travis ein genervtes Seufzen und ein »Kommt, lasst uns verschwinden« hinzufügte. Auch er schien keine Probleme zu machen. Nur das Alphatier wirkte misstrauisch.
“Warum?” Er forderte eine Erklärung. Verständlich.
Deus kam ihr zuvor und erläuterte ihnen den Grund für seine selbst aufgestellten Regeln. “Weil das Pub danach für ein Rudel reserviert ist und sie mögen keine Fremde in ihrem Territorium.”
Das leise, geknurrte Wort des Dunkelhaarigen schwebte wie eine düstere Wolke im Raum.
“Colin.”
Es war Travis, der als Erster von seinem Hocker aufstand und sei-ne Brüder zum Gehen aufforderte. Grünauge folgte gehorsam, wobei er eigentlich den Status des Beta Wolfes innehatte. Aber auch jetzt schien sich Mister Grimmig quer zu stellen, denn er blieb sitzen und ballte die rechte Hand zur Faust. Josy, welche immer noch den Ellenbogen ihres Vorgesetzten ergriffen hatte, konnte spüren, wie sich dessen Körper anspannte. Auch er schien die gefühlsmäßige Veränderung zu spüren. Zu ihrem Unglück bemerkten dies Grünauge und Travis ebenso.
Diesmal ging das Knurren von Travis aus, doch es war der Andere, der den beruhigenden Tonfall an den Tag legte: “Rylee … Lass es gut sein wir wollen keinen Ärger!” Es machte jedoch nicht den Eindruck, als würde es bei Rylee - jetzt wusste Josephine endlich, wie ihr Wolf hieß - Früchte tragen. “Hauen wir ab”, drängte Travis langsam, doch alles, was zu dem Alpha gesagt wurde, schien nur sehr langsam zu ihm durchzusickern.
Es war sowieso schon zu spät, denn Slater, Ardens jüngerer Bruder, tauchte hinter den drei Werwölfen auf und teilte allen mit, dass sich die Time Hollows bereits auf den Weg befanden. Früher als erwartet. Die LaRue konnte sich denken, wessen Grund das haben könnte.
“Halte sie noch ein wenig hin, lass Ihnen eine ordentliche Begrüßung zukommen”, erwiderte Deus.
Josy hatte schon einen Satz zur Seite gemacht und hielt den Brüdern die Tür auf, die hinter die Bar führte. “Kommt mit!” Einladend winkte sie, sie mit ihrer Linken zu sich. Travis und der noch Unbekannte folgten ihrer Aufforderung sofort, nur Rylee ließ sich etwas Zeit. Immerhin war er jetzt ebenfalls von seinem Barhocker aufgestanden. Letzten Endes kam er dann doch in Schwung und folgte seinen Begleitern.
Sie dirigierte die beiden Jungs vor ihr durch die Küche zu einer Tür, die in den Wohnbereich des Gebäudes führte, um sie beim Hin-terausgang rauslassen zu können. Somit würden sie dem Rudel auch nicht gleich in die Arme laufen. Im Gänsemarsch, Travis voran, gefolgt von Grünauge und Josy, das Schlusslicht bildete Rylee, eilten sie den Korridor entlang und erreichten das Tor der Freiheit. Da die hier anwesenden Mieter allesamt im Pub arbeiteten, war die Tür auch nicht abgeschlossen, deshalb konnte die Wölfin sie auch ohne das Benutzen eines Schlüssels rauslassen.
“Warum musst du dich immer einmischen?” Rylee kam neben ihr zum Stehen. Sein Blick war immer noch finster, doch Josy bildete sich einen Funken von Interesse ein.
“Muss ich mich wirklich für meine Hilfsbereitschaft rechtfertigen?”, kam es als Gegenfrage und erwiderte den Augenkontakt, ohne zu zögern. Er schnaubte herablassend. Das Zucken seiner Ober-lippe sollte das Andeuten eines Zähnefletschens werden. Okay, er schien es als eine Bedrohung zu erachten. Doch dann bemerkte sie, wie sein Blick nach unten rutschte und an der Stelle hängen blieb, von dem beide wussten, dass nur noch ein bläulicher Fleck zu sehen war, wo der Kojote sie getroffen hatte.
Er öffnete seine Lippen einen Spalt weit, doch ein »Danke schön« blieb er ihr schuldig.
“Einen Moment!”, warf Grünauge dazwischen, bevor die Drei gänzlich verschwunden waren. Er drehte sich zu Josy um und stellte ihr eine überraschende Frage. “Kommt dieses Rudel häufig zu Euch?”
“Ja, wieso?”
Ein tiefes, besorgniserregendes Seufzen schwebte in der Luft. “Ist Shelley vielleicht dabei?” Die Fragezeichen in ihrem Gesicht mach-ten dem Jungen wohl deutlich, dass sie keine Ahnung hatte, wovon er da gerade sprach. Außerdem hatte Josephine nicht vor, drei Fremden davon zu erzählen, dass sie selbst immer wieder vor diesem Rudel flüchtete.
“Junges Mädchen, in unserem Alter. Blaue Augen. Braunes Haar. Michelle Havering ist ihr Name.”
Oh. Von dem Neuzugang hatte die Lykanerin schon gehört. Slater hatte dieses Mädchen als äußerst attraktiv beschrieben und wäre sie keine Werwölfin gewesen, hätte der Kater sie vermutlich auch an gegraben. Sein Glück, das er es nicht getan hatte, wie Josy gerade feststellen durfte, denn dieser Junge hier schien bereits mit ihr liiert zu sein. Zumindest machte es den Eindruck, wenn da nicht dieser lastende Liebeskummer an seinem Gesicht anhaften würde. Es war nicht ihr Problem, was zwischen den beiden vorgefallen war, dennoch würde ein Gefallen bedeuten, dass sie bessere Chancen hatte, ins Rudel zu kommen, deshalb fragte sie ihn: “Soll ich ihr etwas ausrichten?”
Das war eine Katastrophe. Ihr persönlicher Untergang und trotzdem konnte sie ihrem Verderben ins Gesicht lächeln.
“Sag ihr … Sag ihr, dass ich sie liebe.”
Die Wölfin schmunzelte. “Dass ich sie liebe?”, wiederholte die LaRue seine Worte. Grünauge nickte bloß und schien im ersten Moment nicht zu begreifen, worauf sie hinauswollte. “Wer ist denn ich?”, half sie ihm ein wenig auf die Sprünge.
“Sein Name ist Joel”, mischte sich Rylee ein, legte die Hand auf die Schulter seines Bruders und drängte ihn weiter, “Lasst uns jetzt verschwinden.” Und mit den Worten, als ungesagter Abschied verschwanden die drei Gestalten in der Dunkelheit.


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Zuletzt von Kishou am Mi Aug 23, 2017 11:06 pm bearbeitet; insgesamt 4-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: THE ANCHOR   Do Jul 06, 2017 12:39 am

KAPITEL ZWEI



Die Dunkelheit der Nacht verschluckte die drei Gestalten, die sich durch den Hinterhof hinausschlichen. Durch das Torgatter gelangten sie wieder zurück auf die Straße. Travis schwieg, obwohl ihm so viel durch den Kopf ging.
Ja, er machte sich Sorgen. Um Joel. Mehr jedoch um dessen Bruder Rylee. Sein Desinteresse, vielmehr diese Apathie, die der Alpha an den Tag legte, war nicht nur für ihn, sondern auch für das Rudel ungesund. Und sein älterer Bruder konnte ihm in keinster Weise helfen, denn beide hatten etwas sehr Wichtiges verloren. Travis machte es nicht einmal mehr Spaß seine Cousins zu triezen. Dabei stritt sich der Lykaner gerne mit seinem Alpha, während Joel immer den Streitschlichter spielte. So gesehen war es von Travis ein Versuch, ein bisschen Aufmerksamkeit von seinen Verwandten zu ergattern. Wohlgemerkt machte es seine Schwester Nevena nicht anders, wobei es bei ihren Versuchen immer einen bitteren Nachge-schmack hinterließ. Und sie durch ihren letzten Versuch Joels Beziehung ruiniert hatte.
Dafür fühlte sich der Lazar schuldig.
“Wollen wir noch woanders hingehen?”, stellte der Werwolf in dem Raum.
“Nah …”, murmelte Joel leise, den Blick gegen Boden gewandt, während seine linke Hand sich nachdenklich am Hinterkopf rieb. “Ich würde lieber gern nach Hause gehen.”
Travis schnaubte.
“Dort ist es doch auch nicht besser …”, gab er die traurige Wahrheit kund. Sollte jeder wieder in seine leerstehende Wohnung zurück? Joel lieblos an der Spielekonsole, Rylee in das zurückgelassene Chaos und er selbst eingesperrt mit drückenden Erinnerungen an unausgesprochene Leidenschaft. Der Wolf schüttelte widerwillig den Kopf. Niemand wollte zurück.
Hilfesuchend ging der Blick von Joel zu Rylee, der mit dem Rücken immer noch zu ihnen stand und keinen Ton von sich gegeben hatte.
Was er auch in den nächsten zehn Sekunden nicht tat. Alle drei standen einfach nur da, schwiegen sich an. “Rylee …?”
“Ruf Feliné und Leviathan an, sie sollen sich in einer halben Stunde an der östlichen Stadtgrenze treffen”, ordnete er plötzlich an.
Travis wechselte einen Blick mit Joel, bevor er fragte: “Und was ist mit Penelope?” Was hatte der Alpha den nun schon wieder vor? Manchmal war es wirklich schwer in seinen Kopf hineinzusehen.
Rylee schüttelte den Kopf. “Sie schläft vermutlich schon, die letzten Wochen waren sehr anstrengend für sie.”
“Was hast du vor?” Joel hatte offensichtlich denselben Gedanken gehabt, wie Travis. Leichte Unruhe surrte in seiner Stimme, den fragenden Blick gegen den Rücken seines Bruders geheftet. Rylee drehte sich leicht zur Seite, sodass er den Kopf nur über die Schulter drehen musste, um beide ansehen zu können.
“Wir gehen auf die Jagd.”


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Zuletzt von Kishou am Fr Aug 25, 2017 12:15 am bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: THE ANCHOR   Mo Aug 14, 2017 3:33 am

KAPITEL DREI



“Sie sind weg”, teile Josephine ihrem Kollegen mit, nachdem sie wieder hinter der Bar stand.
Deus nickte dankbar. “Du solltest jetzt auch …”
Sie wusste, was er hatte sagen wollen, doch dazu kam er nicht mehr, denn die Eingangstür wurde aufgestoßen und herein kam Josh Law, flankiert von Colin Bale, sein Beta, und Benelle Carson, seine Gefährtin. Das Schlusslicht bildete das von Joel beschriebene Mädchen.
Michelle Havering.
“Deus Faulkner! Immer wieder eine Freude, dich zu sehen”, kam es von dem Alpha der Time Hollows, nachdem er die Bar erreicht hatte.
Ihr Vorgesetzter belächelte diese Begrüßung und stellte sich bewusst vor Josy, um sie vor dem Blick des Alphas zu verbergen. Gelang ihm natürlich nicht, doch die Geste allein, war schon lieb gemeint. Der Anführer der Time Hollows sah die schwarzhaarige Wölfin direkt an.
“Josephine? Dich habe ich lange nicht mehr gesehen! Wie geht es deiner Mutter?” Höflichkeiten, auf die sie gerne verzichtet hätte. Mit zusammengezogenen Brauen starrte sie dem Den Inra, ein Hybrid aus Werwolf und Vampir, entgegen. Natürlich musste er ihre Mutter ansprechen, denn dass er die Lykanerin in seinem Rudel brauchte, weil sie eine ausgezeichnete Fährtensucherin war, wollte er nicht einmal vor ihrer Tochter verbergen. Ganz schön dreist sich einfach so in das harmonische Familienleben einer verheirateten Frau einzumischen. Und Josephine würde es diesem Halbwolf niemals verzeihen.
“Ich habe gerade Dienstschluss, also wenn ihr von mir noch bedient werden wollt, dann bestellt jetzt.” Josy machte ebenso wenig einen Hehl daraus, dass sie das Rudel nicht leiden konnte, und kassierte dafür einen warnenden Blick ihres Kollegen. Auch Slater, der noch am Türeingang stand, weil er die Time Hollows hereingelassen hatte, blickte ziemlich besorgt aus der Wäsche.
Darauf ließen sie sich zumindest ein, und noch während die Wölfin die gewünschten Getränke ausschenkte, behielt Colin sie wachsam im Blick. Es war ihr gleich, sollte der Den Inra doch glotzen, bis ihm die Augäpfel aus dem Kopf fielen. Wenn die Personen in diesem Rudel nur halbwegs sympathisch gewesen wären, dann hätten sich bestimmt einige Wölfe dazu überreden lassen, es zu versuchen. Vielleicht hätten sie auch den nächsten Schritt gewagt. Doch Colin Bale war grob, unhöflich und unerträglich. Josh wirkte zumindest wie ein Mann, mit dem man reden konnte, doch sein Schoßhündchen nicht und seine Gefährtin wirkte auf Josy nur arrogant.
Josh hatte sich bereits gegenüber von Deus auf den Barhocker gesetzt, drehte sich aber zu Josephine herum, um ihr ein Angebot zu machen. “Wenn du schon gehen musst, werde ich dich nicht aufhalten, doch solltest du das nächste Mal anwesend sein, weil ich etwas mit dir zu besprechen habe.”
Das war mehr ein Befehl, als wirklich ein Angebot.
“Ich werde darüber nachdenken”, gab Josy zurück und stellte das letzte Glas auf einer Serviette vor Michelle ab. Ihre Blicke trafen sich. Ähnlich wie bei Rylee, konnte die LaRue in dem Gesicht der jungen Frau keine Regungen erkennen. Doch dann wanderten die Augen der Wölfin nach unten und entdeckte die Nachricht, die Josy überbringen sollte. Es war würde ein Funken in dem tiefen Blau ihrer Augen aufflammen, anschließend nahm sie einen Schluck von ihrem Getränk, während die freie Hand nach der Serviette griff und festhielt. Da steckte definitiv noch Zuneigung in dieser Geste. ›Danke‹ war das Wort, das Josy aus der Lippenbewegung herauslesen konnte. Mit einem Nicken wandte sie sich wieder in Richtung Deus. Er hatte ein leises Gespräch mit Josh begonnen und auch Colin war in einer Unterhaltung mit Benelle vertieft. Niemand hatte etwas von eben mitbekommen.
“Ich verschwinde jetzt”, sagte die Halbfranzösin. Deus und Slater verabschiedeten sich lediglich mit einer Geste. Der Law sagte diesmal nichts, trotzdem wusste Josephine, dass er auf eine erneute Begegnung hoffte.
Sollte er doch.
Sie war zumindest erleichtert, als sie aus der Tür in die klare Nacht treten konnte. Nathan würde sie zu Fuß abholen, weil ihr nicht danach war, erneut einen Parkplatz zu suchen.

Ein erleichtertes Seufzen kam von Nathan, nachdem sie im Jeep Platz genommen hatten. Josh Law und sein Rudel konnte man nun getrost im hintersten Winkel des Gedächtnisses verbannen und der Abend war problemlos verlaufen - trotz der kleinen Steine, die man ihr in den Weg gelegt hatte. Josy hatte diese Aufgabe erfüllt.
“Danke.” Der Junge auf dem Beifahrersitz schenkte ihr einen Blick auf sein breites Grinsen. “Ich habe nicht gerechnet, dass es bei dir so lange dauert.”
Er hatte sich Sorgen gemacht, ein emotionaler Zustand, der bei dem Kendric nicht häufig vorkam. Josy kaufte ihm das nicht ab. Vielleicht hatte er sich mehr um seine Mitfahrgelegenheit gesorgt, als um sie, oder die LaRue war zu skeptisch, um glauben zu können, dass sie ihm noch wichtig war.
“Entschuldige, ich hatte noch etwas zu erledigen und mir kam Josh in die Quere.”
“Jemand sollte etwas gegen ihn unternehmen. Nur ein Vorschlag …”, brummte Nathan missmutig vor sich hin, von seiner Furcht ablenkend, indem er an den Knöpfen des Autoradios herumspielte. Man konnte es ihm nicht verübeln. Geborene Werwölfe wuchsen mit diesem Wissen auf, wohingegen die Gebissenen erst diesen Schinken verdauen mussten. Falls jene überhaupt den Wunsch hegten, sich einem Rudel anzuschließen.
“Vergessen wir das”, schlug Josy vor, die sich den Abend dadurch nicht vermiesen lassen wollte, “Man hat uns nicht verboten, gemeinsam im Wald zu laufen. Darüber sollten wir froh sein.”
Der Junge auf dem Beifahrersitz schnaubte abfällig. “Ja, wenn du dich damit zufrieden geben kannst.”
Konnte sie nicht. Es war besser ihn im Unklaren zu lassen. Es war ungewöhnlich, dass ihn die eingeschränkte Freiheit ärgerte. Das konnte auch an seinem Musikerleben liegen.
Josy wechselte bewusst das Thema in diese Richtung. “Und? Habt ihr eure fehlenden Bandmitglieder gefunden? Soweit mich meine Erinnerung nicht verlassen hat, fehlen euch noch zwei Leute.” Das würde ihn zumindest auf andere Gedanken bringen.
“Steph hat sich darum gekümmert.” Nathan verschränkte die Arme hinter seinem Kopf, lehnte sich zurück und blickte aus dem Fenster. Da sein Stimmklang nun etwas fröhlicher wirkte, nahm Josy an, dass sich seine Laune wieder auf dem Weg der Besserung befand. Als sie rechts in die Gasse einbog, fügte er hinzu: “Er hat Plakate gedruckt. Wir suchen nur noch nach einem Schlagzeuger und einem Sänger. Vorzugsweise eine Sängerin.”
Keine große Überraschung, ersparte sich gleich die Frage, ob er vorhatte, besagte Sängerin um den Finger zu wickeln, bis sie eine Beziehung mit ihm einging, er sie anschließend betrügen und die Gruppe in den Ruin treiben konnte. Steph Dallas und Ronan Knight, seine Bandkollegen würden ihm das niemals verzeihen.
“Ich hätte nichts gegen einen gut aussehenden Sänger. Dunkelhaarig. Blaue Augen …”
“Also einen Zwilling von dir?”, unterbrach sie Nathan mit einem breiten Grinsen. “Oder willst du sagen, dass ich für dich singen soll? Nur weiß ich nicht, wie du auf die blauen Augen kommst …” Bei seiner braunen Iris musste er auf Kontaktlinsen zurückgreifen.
“Vergiss es, Nate. Du kannst nicht singen.”
Ihn hatte sie ihn zwar nicht gemeint, wollte es ihrem Ex-Freund aber nicht unbedingt unter die Nase binden, dass sie jemanden gefunden hatte, der ihr Interesse geweckt hatte. Damit war das Gespräch erledigt und sie konzentrierten sich wieder überwiegend auf die Straße.
Nachts zählte New Orleans nicht zu den ruhigsten Städten. Es gab immer irgendwelche Attraktionen, die Touristen sowie Einheimische anlockten. Oft kam es vor, dass sich ein Stau bildete; wie im jetzigen Augenblick. Jedoch war es unüblich, dass alle Anwohner aus ihren Fahrzeugen stiegen und sich um ein Schauspiel versammelten.
“Was zur Hölle ist dort vorne los?” Nathan setzte sich auf, als ob er dadurch besser sehen könnte.
Das würde Josy auch gerne wissen. “Lass uns … nachsehen …” Sie zog den Schlüssel ab und stieg aus dem Wagen. Anfangs war es nicht schwer, sich an den vereinzelten Menschen vorbei zu schieben, doch die Menge wurde zunehmend dichter und schon bald offenbarte sich der Grund für diesen Auflauf. Zuerst waren schwache Laute zu hören, mit der Zeit kristallisierten sich deutliche Schreie hervor. Der Stimme zu urteilen, kam sie von einer männlichen Person.
Suchend ging der Blick durch die Menge, aber Nathan konnte sie unter den vielen Köpfen nicht mehr entdecken, deshalb ging sie weiter, quetschte sich zwischen den Schaulustigen hindurch, bis sich ihr Blick auf das makabere Spektakel richten konnte. Erschrocken schnappte Josy nach Luft. Instinktiv trat sie einen Schritt zurück und hielt sich beide Hände vor den Mund, um einen Schrei im Keim zu ersticken. Die Leute, die das alles nur beobachteten waren starr vor Schreck, doch vielmehr hatten sie Angst vor diesem Anblick. Angst vor dem Monster, das sich auf dem Boden wand und vor Schmerzen um Hilfe kreischte. Der Mann hatte deshalb solche Qualen, weil aus seiner Schulter ein Rabe ragte und versuchte sich von dem Körper zu lösen. Er war nichts anderes als ein Tiergeist, doch diese Art von Verwandlung war nicht normal.
Sie schaffte es nicht den Blick von den zwei leidenden, ineinander verschmolzenen Gestalten abzuwenden, obwohl ihr bereits vor Mitgefühl die Tränen in die Augen stiegen.
“Josy …”
Jede Hilfe für den Mann kam zu spät. Er steckte in der Verwandlung fest, mal davon abgesehen, dass sie nicht so aussehen sollte. Wenn jetzt jemand eingreifen würde, dann wäre das Hundertprozentig sein Tod. Wahrscheinlich würde er es sowieso nicht überleben.
“Josy …!”
Und diese Leute hatten nichts Wichtigeres zu tun, als ihn anzugaffen. Sich vor dem Leidenden zu fürchten, weil das ihr Verstand nicht verarbeiten konnte. Genau aus diesem Grund waren Sterbliche unwissend und hatten keine Ahnung vom eigentlichen Leben. Die Wut, die in Josy kochte, brachte ihren Körper zum erzittern.
“Verdammt, Josy!” Unsanft wurde sie von dem Anblick weggezogen. Der Faden zum Ereignis riss ab und ihre Augen trafen auf das dunkle Braun von Nathan. Dass er sie angesprochen hatte war ihr nicht aufgefallen, aber jetzt, wo er seine Finger um ihre Oberarme klammerte, kehrte sie in die Wirklichkeit zurück. Im Hintergrund war das Schreien nur noch zu einem Röcheln geworden,  bis die Laute schließlich verstummten. Josy warf einen letzten Blick über die Schulter.
Der Mann war tot.
Nathan legte seine Hand auf ihre Schulter, drückte sie in die entgegengesetzte Richtung. “Komm, gehen wir.”
Beim Jeep angekommen lehnte sich Josy gegen die Fahrertür und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Die Klagelaute des Mannes echoten in ihren Ohren, seine windenden Bewegungen hatten sich in ihre Netzhaut gebrannt. Aus der Ferne waren Sirenen zu hören. Vermutlich von einem Krankenwagen oder der Polizei. Nur war es schon zu spät, der Mann war tot und nicht einmal ein Hospital hätte ihm das Leben retten können.
“Nate”, murmelte Josephine in ihre Hände und spürte wenige Sekunden später seine Hände auf ihren Schultern, die sie in eine Umarmung zogen. “Er ist gestorben. Er hat sich mit seinem Tier getrennt und ist gestorben, Nate.”
“Ich weiß.” Wieso konnte der Musiker so viel Ruhe ausstrahlen? Kümmerte es ihn überhaupt nicht, oder fehlte es ihm an Mitgefühl? “Wir sollten nach Hause fahren. Solange wir nicht wissen, was das war, sollten wir nicht in Panik ausbrechen”, gab er mit ruhiger Stimme von sich, streichelte tröstend ihren Rücken. Aber die Wölfin drückte sich bereits von ihm weg.
“Echt unfassbar …!”, grollte sie und drehte sich der Wagentür zu.
“Joe … Jetzt sei nicht so.” Er hielt sie am Handgelenk fest und verhinderte, dass sie womöglich noch ohne ihn losfuhr. Außerdem war es nicht klug in ihrem Zustand ein Auto zu bedienen. “Hör mir zu, ich meinte damit doch nur, dass wir nichts überstürzen sollten, solange wir nicht wissen, ob das eine einmalige Sache war. Bis dahin wäre es Besser, wenn wir das für uns behalten.”
“Und was wenn nicht!?”, fuhr sie den Wolf wütend an. “Was wenn es meine Mutter erwischt, unsere Freunde oder uns!?” Sie wollte es sich nicht ausmalen. Nathan schien das zumindest irgendwo zu verstehen.
“Na schön. Erzähl es deiner Mutter und deinen Kollegen. Wenn du dich dadurch sicherer fühlst.” Der Kendric richtete sich langsam auf. “Lass mich dich nach Hause bringen”, bat er und streckte die Hand aus. Josy ließ ihre Autoschlüssel hineinfallen, ging um den Wagen herum und stieg ein. Sein Vorschlag war plausibel, trotzdem würde sie es nicht so einfach für sich behalten können. Dafür stand zu viel auf dem Spiel.


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Zuletzt von Kishou am Mi Aug 23, 2017 11:08 pm bearbeitet; insgesamt 4-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: THE ANCHOR   Di Aug 15, 2017 5:35 pm

KAPITEL VIER



In der Nacht hatte kaum zur Ruhe gefunden. Nachdem Nathan sie bei ihr Zuhause abgesetzt und ihren Jeep ein geparkt hatte, war er anschließend selbst zu Fuß weitergegangen. Zu seinem Glück wohnte er nicht allzu weit von ihr entfernt, sonst hätte Josy noch mehr Gewissensbisse gehabt.
Den Schlüssel hatte sie auf der Kommode abgelenkt, ihre Eltern hatte sie im Wohnzimmer schlafend vorgefunden, bei laufenden Fernseher. Und obwohl ihr das Geschehen noch in Mark und Bein brannte, brachte sie es nicht übers Herz, ihre Mutter zu wecken. Stattdessen hatte sie ihnen eine Decke übergeworfen und war zu Bett gegangen, wo sie noch stundenlang über den Tag sinniert hatte. Selbst im Traum konnte sie den Anblick des sterbenden Mannes nicht vergessen. Deshalb war sie am nächsten Tag immer noch müde. Fühlte sich völlig überfahren. Alles war die reinste Tortur.
Am Küchentisch fand Josephine lediglich ihre Mutter vor. Ihr Vater war vermutlich schon losgefahren, denn heute war das große Spiel bei dem sie ebenfalls nicht fehlen wollte.
“Du bist spät dran, Schätzchen”, begrüßte Monique, ihre Mutter, sie mit zarter Stimme, die schon am Morgen so hell wie die Sonne strahlte und nippte an ihrem Kaffee. Das hatte die jüngste Tochter nicht von ihr. Vielmehr glich Josy mehr ihrem Vater, der mit einem grummeligen Bären zu vergleichen war.
“Ich weiß”, stöhnte die Wölfin auf, mischte sich ihren Kaffee - mit viel Milch und Zucker - zusammen und setzte sich neben ihre Mutter. “Schlecht geschlafen. Ich fahr dann auch gleich los, aber ich muss dir noch etwas Wichtiges erzählen …”
Monique wurde hellhörig und blickte von ihrer Zeitung auf. Es war eine stille Aufforderung an ihre Tochter mit dem Reden fortzufahren. Und Josy erzählte ihr jedes Detail vom gestrigen Abend. Angefangen von dem Besuch der beiden Alphas bis hin zu dem armen Rabenmann, der auf der Straße vor Zuschauern sein Leben ließ.
“Das ist schrecklich, warum hast du mich denn nicht geweckt?” Ihre Mutter erfasste ihrem Arm, da Josephine nach den Erzählungen wieder Tränen in den Augen hatte. Die Erinnerung daran war so frisch, als stünde sie direkt vor dem Mann. Die junge Wölfin wischte sich mit dem Handballen die Tränen aus den Augen.
“Ich wollte euch nicht wecken …” Es war schön zu sehen, dass es wenigstens noch ein bisschen Normalität in ihrem Leben gab.
Monique seufzte und lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück.
“Ich werde vorsichtig sein”, versprach sie ihrer Tochter mit einem tröstenden Lächeln. “Und was ist mit diesem Alpha?” Jetzt klang sie ganz wie die neugierige Mutter, die sie war.
“Er ist sehr attraktiv …”, setzte sie leise an, blickte peinlich berührt auf ihre Kaffeetasse. “Aber er wirkt traurig, als ob er viel verloren hätte.”
Seine Augen. Den Anblick würde sie niemals vergessen, abgesehen von dem satten Blau, von dem sich bestimmt jedes Mädchen angezogen fühlen würde. Aber dieser Ausdruck. Kalt, harsch. Distanziert. Vielleicht war das nur Einbildung gewesen, verdrängen konnte sie es jedoch nicht.
Ihre Mutter grinste. “Erinnert mich an deinen Vater. Was sagt deine Wölfin zu ihm?”
“Sie war es, die ihn gefunden hat.”
“Oh!” In den silbrigen Augen ihrer Mutter blitzte es amüsiert auf. “Dann war sie es, die dich auf ihn aufmerksam gemacht hat.”
Josephine nickte.
Das war nicht unüblich, kam unter Tiergeistern sogar sehr häufig vor, dass sich die Tiere zueinander hingezogen fühlten. Manchmal brauchte die menschliche Seite etwas länger, um etwas zu begreifen, da den Menschen meistens immer Gedanken, Sorgen oder Zweifel im Weg standen. Es kann aber auch vorkommen, dass die Menschen zueinander finden und dessen Tiere erst miteinander warm werden mussten. Irgendwelche Probleme tauchten immer auf. Wie in den üblichen Liebesromanen.
Ihre Wölfin hatte gestern Nachmittag gut zu verstehen gegeben, dass sie den Wolf, der in dem Alpha wohnte, wollte. Und Josy war ebenso wenig von ihm abgeneigt. Nur lauerte im Hintergrund ein kleines Problem, dem sie sich noch nicht stellen wollte.
“Na schön”, riss ihre Mutter sie aus den Gedanken, “Du weißt, dass ich dieses Jungrudel nicht gutheißen sollte.” Jetzt klang sie wie die verantwortungsbewusste Erzieherin, die sie sein sollte. Monique LaRue war jedoch nicht einfach gestrickt, deshalb war ihre jüngste Tochter von den nächsten Worten nicht überrascht. “Ich werde mir das ein Weilchen ansehen und wenn die Möglichkeit besteht, dass sie dich in Rudel aufnehmen wollen, dann stellst du sie mir vor. Verstanden?”
“Ja, Mom.”
Damit zauberte sich ein Lächeln auf ihr Gesicht. “Gut, du solltest jetzt aber los.”



Die Party war im vollen Gange. Alle waren in solch Feierstimmung, als hätte ihre Mannschaft das Spiel bereits gewonnen. Der Coach schien dermaßen vom gewinnenden Ausgang überzeugt zu sein, dass niemand es wagte zu widersprechen.
Nicht einmal Travis.
Mit Sport hatte er noch nie viel am Hut gehabt. Weder Football noch Rugby oder Lacrosse. Und schon gar nicht Basketball. Ihm fehlte es an Wissen, wie die Spielregeln lauteten. Abgesehen von dem wichtigsten Teil. Der Ball musste in den Korb.
Ihm fehlte jegliches Interesse dazu. Travis war ein Tänzer, kein Sportler. Und um in der Nähe einer bestimmten Person zu sein, war er zum Cheerleading verdonnern worden. Genau genommen hatte Travis es angeboten. Zum Teil nicht seine Art von Tanz, aber besser als einem dämlichen Ball hinterher zu laufen. Er schlug mit der Faust auf den Tisch. Sein Wolf knurrte bedrohlich. Die letzte Konversation mit besagter Person war völlig aus dem Ruder gelaufen. Das machte ihn dermaßen wütend.
“Hörst du mir überhaupt zu?” Glenn Puckell, sein bisher einziger Freund und Cheerleaderkollege in New Orleans, tippte ihm mit dem Finger gegen den Oberarm. Er war so aufgeregt, dass er mit seinem ganzen Körper wippte, wodurch seine lange Mähne, bestehend aus dichten Locken, kleine Sprünge machten.
“Nein”, brummte Travis ehrlich und sah ihn an.
Beide saßen, seit sie sich umgezogen hatten, auf der untersten Planke der Zuschauertribüne. Zugehört hatte der Wolf anfangs nur mit einem Ohr, gab ein paar vereinzelte Antworten, aber den Faden zum Thema hatte der Lazar schon lange verloren. Er hatte seinem Freund nicht zugehört und fühlte einen kleinen Funken von Schuld, trotzdem ging ihm das Gezanke von vorhin nicht aus dem Kopf.
Glenn tippte ihn erneut mit dem Zeigefinger an. “Was ist los mit dir? Du wirkst nicht so, als ob du fest von unserem Sieg überzeugt wärst.” Womit der Lockenkopf nicht unrecht hatte. Darum ging es Travis nicht. Schüttelte den Kopf, um seine Frage zu verneinen, wurde nur etwas missverstanden dabei.
“Warum nicht? Unsere Spieler waren noch nie in so eine Bestform wie heute.” Eindeutig falsch verstanden.
“Du hast recht”, lenkte Travis ein, um einer weiteren Diskussion zu entgehen. “Sorry, ich wollte dich nicht ignorieren. Ich bin …” Als er seinen Satz beenden wollte, hatte sein Blick sich gehoben, über die Halle hinweg auf die andere Seite. Da war dieses Mädchen. Jenes, dass er mit seinen Cousins gestern in der Bar getroffen hatte.
Und sie sprach mit dem Trainer.
“Glenn, warte hier einen Augenblick auf mich. Ich komme gleich zurück!”
Eine erneute Entschuldigung hob er für später auf, denn jetzt wollte er sich mit dem Mädchen unterhalten. Was hatte die Barkeeperin mit dem Time Hollow Rudel zu schaffen und warum hatte sie vor dem Menschen so offen gesprochen? War sie Shelley begegnet? Einige diverse Fragen ratterten durch seinen Kopf, während seine Füße sich so schnell bewegten, wie es ihnen möglich war, ohne in einem hastigen Laufschritt zu verfallen.
Warum war sie hier?
Die Schritte wurden langsamer. Der Sportlehrer Mr. LaRue blickte auf und nickte Travis kurz zu, gab dem Mädchen noch ein paar Worte und kehrte ihr anschließend den Rücken. Der Lazar war weit genug an die Schwarzhaarige herangetreten, dass er nur noch seinen Arm ausstrecken musste, um sie zu berühren.
“Hallo, Barmädchen.” Entgegen seiner schlechten Laune zauberte der Lazar ein Lächeln auf seine Lippen.
Sie drehte sich ruckartig um. In dem eisigen Blau ihrer Augen konnte er einen Hauch von Überraschung wahrnehmen. Erst schien es, als wüsste das Mädchen nicht, wie sie darauf kontern sollte, dann wurde seine Aufmachung gemustert und  ein amüsiertes Schmunzeln folgte.
“Tag, Cheerleader.” Es war ihr aufgefallen. Bravo. Seine Uniform war auch nicht zu übersehen. Und peinlich, weil ihr Grinsen nicht aus ihrem Gesicht weichen wollte. Anstatt ihm unangenehme Fragen darüber zu stellen, schlugen ihre Worte in eine komplett andere Richtung: “Ich habe die Nachricht von deinem Bruder ausgerichtet. Michelle scheint ihn zu vermissen.”
Travis seufzte. Das hatte er sich gedacht, nur würde es auf beiden Seiten keine Besserung geben, solange Joel zu Hause saß und Michelle ihre Zeit mit den Time Hollows verbrachte. Seine Lippen pressten sich zu einem dünnen Strich zusammen.
“Ich werd es ihm ausrichten und Joel ist mein Cousin”, korrigierte er die Wölfin gleich und streckte ihr wagemutig die Hand entgegen. “Ich bin Travis.”
Normalerweise tat er dies nicht ohne Weiteres, denn eine Berührung mit dem weiblichen Geschlecht, welche in einer Beziehung steckte, löste unglaubliche Schmerzen in ihm aus. Zu verdanken hatte er diesen Zustand einer Hexe. Ihre intime Zweisamkeit hatte ein jähes Ende gefunden, nachdem sie erfahren hatte, dass er schon in einer Beziehung steckte. Und nachdem sie seiner Freundin von der Affäre berichtet hatte, wurde ihm dieser Fluch auferlegt. Seither war es ihm nicht möglich eine Frau anzufassen, die vergeben war.
Ohne zu zögern, ergriff die Schwarzhaarige seine Hand. Travis war auf den Schmerz vorbereitet und sein Körper spannte sich an. Keine Qualen. Kein Freund. Und vor allem keine Bedenken bei flüchtigem Körperkontakt.
“Josephine”, stellte sich das Tiergeist Mädchen lächelnd vor. Darauf herrschte Schweigen. Nicht von der unangenehmen Sorte, sondern wo man sich nichts zu sagen hatte. War da eine Denkfalte auf ihrer Stirn?
“Was machst du hier? Stehst du auf Basketball?” Der Wolf nahm ihr die Bürde des Denkens ab. Ihn interessierte es.
Das Eis in ihren Augen wich ihm einen Moment aus, beobachtete wie einige der Spieler dabei waren sich aufzuwärmen. Da lag ein winziges Funken in ihrem Blick und Travis erahnte ihre Antwort. “Seit ich denken kann, liebe ich diese Mannschaft. Ja, ich liebe Basketball!”
“Was für eine Überraschung. Ich hätte dir das nicht zugetraut.” Viele Männer standen auf Sport. Er konnte dem nichts abgewinnen, doch es war immer eine neue Offenbarung, wenn Frauen sich Sportarten annahmen. Zumindest wenn Josephine sich dafür nur als Zuschauer interessierte, da Travis nicht den Eindruck hatte, als würde sie selbst spielen. “Das bedeutet, du siehst dir das Spiel an.”
“Dasselbe gilt für dein Cheerleaderkostüm.” Frech grinsend wanderte der Blick zu ihm empor.
“Touché.”
Noch einmal machte sich das Schweigen zwischen ihnen breit und Travis nutzte die Gelegenheit, um sie ein wenig zu mustern. Ihre hellen Augen bildeten einen starken Kontrast zu ihrer dunklen, glatten Haarpracht. Hübsches Ding, wenn ihr Gesicht für Travis zu unschuldig wirkte. Ihm fiel auf, dass Josephine wesentlich größer war als seine Schwester. Gut geschätzt auf 1,77 Meter. Und ihre Kleidung war wesentlich subtiler im Vergleich zu Nevenas, die es schaffte, sich im Winter aufreizend anzuziehen. Diese Wölfin, dessen Tier er anhand des Geruchs erkannt hatte, wirkte mit ihren Jeans, dem schwarz-weiß gestreiften Shirt und der hellblauen Jeansjacke vollkommen gewöhnlich.
Plötzlich kehrte das Leben in ihr zurück und fasste nach seinem Unterarm. “Hör mal … Ich sollte dir was Wichtiges sagen.”
Travis hob überrascht die Brauen. Ihre Geste war für zwei Fremde Tiergeister viel zu vertraut, ob sie sich dessen bewusst war, konnte er nicht beurteilen. Die Nachricht musste jedoch wichtig genug sein, somit schob er ihre Berührung auf die Dringlichkeit, die in ihren Worten steckte.
“Sieh mal einer an! Selbst die Tochter unseres Lehrers ist nicht sicher vor Travis Lazar!” Der hohe Stimmklang ließ beide herumfahren.
“Hallo, Victoria”, begrüßte die Schwarzhaarige im freundlichen Ton. Victoria Mason, oft nur Torie genannt, nickte dem Mädchen zu. Sie hing in den Armen ihres wechselhaften und hohlen Freundes Cooper McAllister. Die Beziehung der Zwei war ein ständiges Hin und Her. Entweder hatte Torie einen ihrer komischen Anfälle, oder Cooper eine Neue.. Jetzt machte es den Eindruck, als wären sie eine Einheit. Direkt neben ihr stand Emily Rose, der Captain der Cheerleader und dahinter ihr Freund Casper Akins. Alle nickten eine knappe Begrüßung an Josephine.
“Travis?” Diesmal machte Emily auf sich aufmerksam, aber er schaffte es nicht, sie direkt anzusehen. Der Blick des Mannes lag eine Sekunde zu lange an ihrem Freund, dann entzog er seiner bisherigen Gesprächspartnerin unsanft seinen Arm. “Wir fangen bald an, verspäte dich bitte nicht.” Auch wenn ihre zarte Stimme höflich klang, war ihr die leichte Missbilligung anzusehen. Wenigstens hielten sich die Jungs zurück, obwohl Casper ihm mit einem kühlen Blick strafte. Es sollte ihm gleich sein, war es aber nicht.
“Klar, wir sind schon fertig.”
Aus dem Augenwinkel konnte er eine Kopfbewegung in seine Richtung ausmachen.
“Okay”, gab Emily zurück und ging voraus, gefolgt von dem Anhängsel, die ihr folgten wie brave Schoßhündchen.
“Aber …”, setzte die Wölfin nachdrücklich an.
“Wir reden nach dem Spiel”, versprach er ohne ihren Blick zu erwidern und ließ sie stehen.


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BeitragThema: Re: THE ANCHOR   Mi Aug 23, 2017 4:14 am

KAPITEL FÜNF



Rylee hatte seit seinem Erwachen keinen Muskel mehr gerührt. Die Couch, dass momentan, als sein Schlafplatz diente, glich einem Minenfeld, die Federn lose und drückten in seinen Rücken. Bequem würde man anders beschreiben und ansehnlich war das Möbelstück auch nicht mehr. Generell befand sich seine Wohnung in einem demolierten Zustand, aus dem es nicht mehr herauswachsen wollte. Unordnung wäre die leichte Definition davon gewesen. Das Futter quoll aus den Rissen seines provisorischen Bettes. Der kleine, kniehohe Tisch war zerschmettert worden und deren Reste verteilten sich auf dem dunklen Teppich. Wenn er sich jetzt aufrichtete, würden sich feine Holzsplitter in seine nackten Füße bohren. Auch das rechte Fenster war zersprungen, deren Scherben sich fächerartig davor ausbreiteten und an dessen Spitzen noch Blut klebte. Einzig das Schlafzimmer und die Küche waren in einem noch heilen Zustand.
Doch der Caiyé kam nicht auf die Idee einen Besen in die Hand zu nehmen, um die Zerstörung zu beseitigen. Es war zu früh. Zu frisch. Er wollte sich jeden Tag vor Augen führen, dass er an jenem Abend nicht zu Hause gewesen war, um sie zu beschützen.
Mit dem linken Arm über den Augen lag er reglos auf dem Rücken und horchte in sich hinein, aber das leise Pochen seines Herzens wurde vom Nachrichtensprecher, der über eine schreckliche Tragödie berichtete, gestört. Eigentlich hatte Rylee nicht die geringste Ahnung, wann und wie er den Fernseher eingeschaltet hatte, da die Fernbedienung irgendwo auf dem Boden lag. Seine Erinnerungen ließen auch nichts davon durchsickern, dass er einfach vergessen hatte, ihn vor dem Einschlafen wieder auszumachen. Ihm fehlten Sekunden. Minuten. Und das war schon ziemlich ironisch, denn er war der Zeitwolf. Er kontrollierte die Zeit, beherrschte sie, zwar noch nicht im ausgereiften Maße, dennoch sollte es ihm unmöglich sein, dass er sie verlor.
Warum musste ihm alles durch die Finger gleiten?
Feliné Videl, die zusammen mit seinem Bruder Joel seine rechte Hand war, hatte keine Probleme mit ihrem Element. Natürlich hätte sich Rylee auch bei seinem Vater melden können, der ebenfalls ein Element in sich trug. Einfach um sicher zu sein, doch da sein letztes Gespräch mit dem Leitwolf aus Minneapolis nicht gut verlaufen war, wollte er sich diese Blöße nicht geben. Also lag es an ihm, eine Antwort zu finden.
Bisher war es nicht nötig gewesen, auf sein Element zurückzugreifen. Es war da, aber Gebrauch hatte der Caiyé noch nie wirklich gemacht. Deshalb war seine Kontrolle über die Zeit nicht so ausgeprägt, wie die von Feliné. Die jung, verheiratete Wölfin hatte nicht nur mehr Übung in ihrem Raumelement, sondern war auch stärker als er.
Raum und Zeit gehörten zusammen wie zwei Puzzleteile. So wie sein Vater das Licht beherrschte und Michelles Vater den Schatten. Die Elemente waren immer paarweise aufgetreten, doch niemand konnte eine Erklärung für ihren Ursprung finden. Man hatte ihm schon sehr früh gesagt, dass er, genau wie Feliné und ein paar andere, damit geboren worden war. Rylee wollte sein Element nicht übergeben, denn es war seines, gehörte zu ihm. Zumindest so lange, bis jemand versuchte ihn zu töten, dann würde das Element auf denjenigen übergehen.
Wenn er es nur in den Griff bekommen könnte, dann könnte er das Geschehene rückgängig machen. Sie wieder an seine Seite wissen und vor jeglicher Gefahr beschützen. Der Wolf musste nur …
Der Faden seiner Gedanken wurde je zerrissen, als sein Gehör etwas anderes wahrnahm. Die Tür zu seiner Wohnung wurde geöffnet und die zarte Stimme seiner Beta Wölfin drang in sein Ohr. “Rylee? Bist du schon wach?” Vorsichtig, als wäre er ein scheuer Hirsch, denn sie ihn mit ihrem Besuch verscheuchen würde. Um einen Blick auf die Uhr werfen zu können, schob er seinen Arm über Nase, Mund und Kinn. 9 Uhr 36 Minuten. Warum zur Hölle war er eigentlich schon so früh wach?
“Komm rein.”
Wenige Sekunden später erschien Videl im Wohnzimmer, bewaffnet mit einem Besen und einer Kehrschaufel. Rylee drehte sich auf die Seite, zu mehr Bewegung war er nicht in der Lage. Der Blick, mit dem er seine Beta bedachte war, eindeutig fragend. Sie erwiderte es mit einem schwachen Lächeln.
“Ich dachte mir …, du könntest Hilfe beim Aufräumen gebrauchen.” Könnte er? Hatte er irgendwann erwähnt, dass er die Wohnung aufräumen wollte. Daran würde sich Rylee erinnern. Aber Feliné meinte es nur gut und so wie sie sich in seinen vier Wänden umsah, war sie von der Ansicht fest überzeugt. Er konnte den Schrecken in ihrem Seitenprofil sehen.
“Mach dir keine Mühe, ich mach das schon”, gab der Wolf von sich, die Stimme noch rau und kratzig vom Schlaf.
Jetzt wurde der Ausdruck im Gesicht der jungen Frau spöttisch. “Wie? Im Liegen?” Eine Antwort war nicht notwendig, denn nach der Frage stieß sie ein Seufzen aus. “Geht es dir gut?” Man konnte Feliné nichts vormachen, ihre Gabe zur Beobachtung war beeindruckend und traf meist immer ins Schwarze. Rylee entschied, dass es klüger war, den Mund zu halten, aber auch damit konnte man es ihr nicht recht machen. Sie lehnte den Besen gegen die Wand und legte die Kehrschaufel daneben auf den Boden, anschließend bahnte sie sich ihren Weg durch die zersplitterten Holzstücke und setzte sich zu ihm auf die Couch. Mit diesem verständnisvollen Blick und den zum Mitleid verzogenen Mund.
Diese Fürsorge kotzte ihn an.
“Alles in Ordnung”, beteuerte der Leitwolf mit leisem Argwohn in der Stimme. Sein schwarzer Wolf lauerte unter der Oberfläche, darauf wartend, die Frau zurechtzuweisen, sollte sie sich zu weit vorwagen. Weder Tier noch Mensch gefiel, wie sie ihm begegneten. Mit dieser Zurückhaltung, als wäre er aus Porzellan. Oder würde jeden Moment dem Wahnsinn verfallen.
Feliné beugte sich vor. “Lüg mich nicht an.” Endlich war ein leichter Nachdruck in ihrer Stimme zu hören. Sein Wolf fasste es als Provokation auf. Ihm war es lieber, wenn er angeschrien wurde, anstatt dieser bedauernden Blicke. Selbst Penelope, Michelles Zwillingsschwester, strafte ihn damit. Seine Gedanken wanderten zu dem Mädchen in der Bar. Ihr Kampf mit dem Kojoten hatte ihn schwach aussehen lassen, woraufhin er sie zur Rede stellen wollte. Sie hatte ihm erwidert, dass sie sich nicht für ihre Hilfsbereitschaft rechtfertigen müsse und ihn dabei herausfordernd angesehen. Wären sein Bruder und Travis nicht dabei gewesen, dann hätte er ihre Aufforderung angenommen. Auch seinem Wolf hatte es mit einem zufriedenen Knurren kommentiert. Ja, es hatte ihm gefallen, auch wenn es schwer war, sich das einzugestehen.
“Hör auf damit!” Felinés Stimme holte ihn wieder zurück. Sein Schweigen war missverstanden worden, doch stattdessen fragte er nur: “Womit?”
“Dich fertig zu machen, es ist nicht deine Schuld, dass sie gestorben ist …” Die Wölfin lehnte sich noch weiter vor, strich ihm das schwarze Haar zur Seite. Behandelte ihn wie ein Kind. Rylees Oberlippe zuckte gefährlich und seine Kiefermuskel spannten sich an. “Es war sowieso vorherzusehen. Früher oder später wäre sie …”
“Wie kannst du es wagen!”, schnappte der Leitwolf. “Wie kannst du nur so über ein Mitglied unseres Rudels reden!” Die Wut loderte wie ein vernichtender Flächenbrand in seinem Inneren, doch ihre kühle Antwort löschte diese mit einem Schlag.
“Du liegst falsch. Sie war nie Teil des Rudels.”
Er konnte nicht fassen, was seine Beta da gerade von sich gab.
“Wir haben deinen Wunsch sie bei uns zu behalten respektiert, selbst Shelley hat dir zuliebe darüber hinweggesehen. Aber wir haben sie nie akzeptiert und das wusstest du!” Die Mimik der Brünetten zeigte Bedauern und das Schlimmste war, dass sie recht hatte. Für ihn war sie ein Teil gewesen, doch alle anderen hatten ihm prophezeit, wie schlecht ihre Anwesenheit für das Rudel war. “Wir haben verstanden, dass du dieses Mädchen geliebt hast, immer noch liebst, aber ihren Verrat hättest du nie so schnell verziehen, wenn sie nicht gestorben wäre.” Feliné gab ein Schnauben von sich und lehnte sich zurück.
“Hör auf!”, bat der Caiyé leise, wollte nicht mehr zuhören. Sich die Wahrheit nicht eingestehen.
“Nein, Rylee. Es ist wichtig für dich. Du musst das endlich einsehen, sonst gehst du daran kaputt. Wir trauern mit dir, weil wir dich lieben, aber nicht um sie.” Diese Worte zerschmetterten den letzten Rest seines Verstandes und sein Wolf drohte durch die Oberfläche zu brechen. Die Warnung ging an sie anhand eines bedrohlichen Knurrens. Aber sie hörte nicht auf. Hatte sich scheinbar fest vorgenommen, ihn endgültig zu brechen. “Wenn du dir von uns nicht helfen lassen willst, dann solltest du zumindest mit jemandem reden, dem du vertraust.”
Jetzt reicht's! “Halt den Mund!”, brüllte er sie an und richtete sich ruckartig auf. Sie war wie eine Schwester für ihn und so dankte die Videl es ihm? Indem sie über das Mädchen herzog, dass er liebte und hätte beschützen sollen.
Genauso schnell, wie sich Rylee aufgesetzt hatte, war Feliné durch das Zimmer teleportiert, hatte ihr Raumelement genutzt, um sich von ihm zu distanzieren. Seine Reaktion schockierte die junge Frau, denn ihre Augen sahen ihn entsetzt an. “Ich warne dich, Feli, noch ein Wort und du wirst es bereuen!” Wütend bleckte er die Zähne, war als Mensch jedoch nicht so beeindruckend wie bei seinem schwarzen Rüden.
“Ich will dir nur helfen …”
“Mach doch, was du willst, aber lass mich in Ruhe”, grollten die Worte aus seiner Kehle. “Und dreh den verdammten Fernseher ab!” Die Nebengeräusche dröhnten in seinem Schädel, bearbeiteten seine Nerven mit Sandpapier. Er hatte genug von ihr gehört und würde auf ihre Hilfe verzichten können.
Nachdem er sich wieder auf der Couch zurückfallen ließ, hatte Feli - diesmal schweigend - den Fernseher ausgemacht und durch das leicht kratzende Geräusch, nahm der Dunkelhaarige an, dass sie begonnen hatte, den Fußboden zu kehren. Von wirklicher Ruhe war aber nicht die Rede. Zwar hatte der Nachrichtensprecher mit seiner monotonen Langweilerstimme aufgehört ihnen das Ohr über irgendwelche gestrigen Ereignisse abzukauen, dafür aber hörte der Caiyé ein leises Pochen. Ein Laut, der sich eher dumpf anhörte, als wäre sie im Hintergrund. In der ersten Minute versuchte er, es zu ignorieren. Dann zog sich seine Stirn in Falten, die Augen fest zusammengekniffen, während er schon dabei war sein Gesicht zwischen dem Spalt der Rückenlehne und der Liegefläche verschwinden zu lassen. Aber es hörte nicht auf. Dieses Pochen war ein rhythmisches Echo zu Felinés Herzschlag.
“Was ist das?”, brummte der Miesepeter und drehte sich auf den Rücken, damit er ihr ins Gesicht sehen konnte. Und zu seiner Überraschung blickte Feliné ihn nur wortlos einige Sekunden an. Letztendlich legte sich ihre rechte Hand auf ihren Bauch.
Die Zeit verstrich langsam, bis es in ihm endlich ›Klick‹ machte.
“Was?” Jetzt setzte sich der Alpha wieder auf, gemächlicher als beim ersten Mal. “Heißt das du bist …? Wie lange weißt du das schon?” Er konnte nicht anders. Er musste aufstehen und auf sie zugehen. Wollte ihr den betrübten Ausdruck von ihrem Gesicht wischen, von dem er wusste, dass es seine Schuld war.
“Ja, bin ich. Leviathan” - Felinés Gefährte und Ehemann - “und ich wissen es seit einer Woche. Bisher kam noch kein geeigneter Zeitpunkt, um es euch zu sagen.” Ihre Hand strich zärtlich über den noch flachen Bauch.
Wenn er so darüber nachdachte, war er wirklich egoistisch, hatte sich keine Vorstellungen gemacht, wie es seinem Rudel ging, oder was in ihrem Leben passierte. Seine Probleme waren ihm wichtiger gewesen. Er nahm ihr den Besen behutsam aus der Hand, doch eine Entschuldigung für sein Verhalten wollte ihm nicht über die Lippen kommen.
“Geh nach Hause, ich mach das hier fertig”, orderte er an, schon das zwickende Gefühl von Schuld beiseite.
“Hoffentlich kommst du bald wieder zur Vernunft”, murmelte Feliné im Abgang und ließ ihn allein in seiner Wohnung zurück. Sie würde seine Fehler verkraften, dessen war er sich bewusst, aber der Caiyé war noch nicht bereit einzuknicken. “Scheiße!”, stieß er aus zusammengepressten Zähnen hervor und ließ den Besen an Ort und Stelle fallen. Das laute Scheppern betonte seine Bewegung, als er sich Richtung Schlafzimmer umdrehte. Sein letzter Gedanke, nachdem er sich an den Schreibtisch gesetzt und den Laptop aufgeklappt hatte, dass es an der Zeit war, seiner besten Freundin eine E-Mail zu schreiben.


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Kishou
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BeitragThema: Re: THE ANCHOR   Mi Aug 30, 2017 12:06 am

KAPITEL SECHS



"Bist du dir sicher?” Die Skepsis hinter der Frage war deutlich rauszuhören, aber wenn man es selbst nicht erlebt hat, war eine Trennung zwischen Tier und Mensch für einen Tiergeist schwer vorstellbar.
Josephine nickte. Travis kratzte sich mit Daumen- und Fingernagel am stoppeligen Kinn. Durch den leichten Bartansatz wirkte er älter, als seine beidem Cousins, wie er vorhin erklärt hatte. Sein Alter genau abzuschätzen, war schwierig. Tiergeister wuchsen in ihrer Jugend schnell, einen Fünfjährigen mit einem Achtjährigen zu verwechseln war da keine Ausnahme, doch ab einem gewissen Alter wurde der Prozess langsamer. Der Junge könnte am Ende der Dreißiger, oder Anfang der Vierziger sein. Josephine selbst hatte jetzt ihr 23. Lebensjahr erreicht und vielleicht würde man sie in den nächsten zehn Jahren für genauso alt halten.
“Den Anblick vergisst man nicht.” Ganz zu schweigen von den Schreien. Es lief ihr schon bei dem Gedanken daran kalt den Rücken runter und selbst die Feierlaune seiner Teamkollegen brachte diesem Gefühl keinen Abbruch.
Das Spiel war großartig gewesen. Mit zwei Punkten ging ihre Mannschaft in Führung und haben sich damit schlussendlich den Sieg geholt. Josephine hatte, nachdem das Match vorbei war, draußen vor der Halle auf Travis gewartet, bis dieser geduscht und umgezogen war. Danach erzählte sie ihm von ihrem gestrigen Erlebnis. Jetzt standen sie sich schweigend gegenüber und beobachteten Cooper, wie er mehr grölend als singend seine Freudenparole von sich gab. Seine Freundin hatte er über die rechte Schulter geworfen und hielt ihre Oberschenkel mit dem Arm fest, während er seine Linke feierlich nach oben streckte. Josephine hatte Cooper MacAllister schon immer für jemand gehalten, der mehr Steroide im Hirn hatte. Hier wurde es bestätigt.
“Und was soll das sein? Eine Krankheit? Gift? Medikamente?” Travis löste das Schweigen auf. Das Blau seiner Augen leuchtete eindringlich.
Und woher sollte sie das wissen? “Keine Ahnung? Ich hab ihn beim Sterben zugesehen und nicht, ob er vorher irgendwelche Pillen eingeworfen hatte.” Im Nachhinein konnte die LaRue nicht einmal sagen, ob sich dem Mann irgendjemand genähert hatte. Ob sich die schaulustigen Affen seltsam benommen haben. Daran denkt man nicht, wenn man einem Tiergeist schreien hört.
“Okay, okay. Ich hab’s kapiert.” Mit einer Hand fuhr er sich, begleitet mit einem genervten Seufzen, durchs Haar. “Und warum erzählst du mir das? Was erhoffst du dir davon?” Fragend wanderten seine Brauen nach oben.
Unglaublich!
Ablehnung war immer unschön, doch dieses Misstrauen war niederschmetternd. Frustrierend.
Machte die Wölfin einen nicht vertrauenswürdigen Eindruck? Welchen Anstoß gab sie dazu? Deren Alpha vor einem Kojoten gerettet, die drei Jungs vor einer Kollision mit den Time Hollows bewahrt und jetzt warnte sie deren Rudel vor einer noch unbekannten Gefahr. Ging es noch undankbarer? Was musste man noch tun, um Aufmerksamkeit zu bekommen? Sich würdig zu erweisen. Josephine fehlten die Worte.
“Ich bin eine brave Bürgerin?” Okay. Den Schwachsinn kaufte sie sich nicht einmal selbst ab. Ihr Kopfschütteln sollte das Gesagte gleich wieder revidieren. “Nein…”, fuhr die Wölfin fort, “Ich möchte in das Rudel.” Ehrlichkeit war jetzt die beste Taktik und er quittierte es mit überraschter Stille.
“Wie kommst du darauf, dass wir neue Wölfe aufnehmen?”, kam dann die Gegenfrage. Davon war sie nie ausgegangen. Ihr Handeln war instinktiv gewesen, ohne groß einen Gedanken zu verschwenden und geblendet von ihrer Sehnsucht nach einer Gemeinschaft. Die LaRue senkte den Blick, wusste keine passende Antwort. Travis beendete diese unangenehme Pause. “Warum willst du zu uns? Ihr habt doch mehr Kontakt zu Josh und seinen Leuten.”
Das Lachen, welches die Dunkelhaarige von sich gab, klang verzweifelt. “Als ob ich sterben möchte, ohne vorher was davon gehabt zu haben.”
“Wie meinst du das?” Eine Aussage, die bestätigte, dass Rudel keine Ahnung von den Gepflogenheiten und Regeln der Time Hollows hatte. Man konnte die Fragezeichen schon über seinem Kopf schweben sehen und die Verwirrung in seinem Gesicht blinkte wie Werbeschilder in Las Vegas. LaRue verschränkte in stiller Abwehr ihre Arme vor der Brust, wich den ozeanblauen Augen aus und kaute unzufrieden auf ihrer Unterlippe. Natürlich erwartete er eine Erklärung, doch Josephine wollte die Regelstruktur des Den Inra Rudels nicht vor Publikum erläutern. Auch wenn niemand direkt neben ihnen stand, könnte doch einer der Spieler, deren Eltern oder Freunde, an ihnen vorbei gehen und komische Wortfetzen aufschnappen. Trotzdem schuldete sie Travis eine Antwort.
“Um im Rudel bleiben zu können, muss man sich von einem Nachtwesen beißen lassen.” Besonders die Worte ›Rudel‹ und ›Nachtwesen‹ wurden leise betont. Jetzt sollte ihm klar werden, weshalb niemand darauf versessen war, sich den Time Hollows anzuschließen. “Das ist zu riskant, deshalb möchte niemand in dieses Rudel. Außer du bist zufälligerweise ein wahnsinniger Irrer, der sowieso vorhatte Suizid zu begehen, dann kannst du dich beißen lassen”, spottete die Wölfin, ohne laut zu werden. Jedoch verriet ihr Unterton den Ärger.
“Warte mal! Shelley ist im Rudel und sie ist auch noch … sie selbst.” Die Feststellung zusammen mit der Sorgenfalte auf seiner Stirn kam reichlich spät. Und die Halbfranzösin wollte seine begründeten Gedanken nicht verstärken, es war schon schlimm genug. Ihre Wölfin wand sich innerlich vor Mitgefühl.
“Das macht keinen Unterschied, wenn Michelle weiterhin dort bleiben will, muss sie … sich verwandeln, wenn nicht freiwillig …” Den Satz zu beenden wäre grausam gewesen. Also schwieg sie es aus und zuckte hilflos mit den Schultern. Das Entsetzen auf Travis Gesicht war von Wort zu Wort größer geworden, man konnte diese tiefe Verbindung schon greifbar in der Luft spüren. Es tat unglaublich weh, ihn so zu sehen. Wie ein kleiner Junge, dem man gestanden hatte, dass der Osterhase und Santa Claus nicht existierten.
Beide Hände glitten in das mittellange, dunkelbraune Haar und allein die Geste schrie nach Verzweiflung.
“Ich …”, setzte der Lazar an, sein Blick huschte über den Boden, man konnte sehen, wie sich seine Gedanken überschlugen. “Ich muss kurz telefonieren, …” Seine Rechte fischte das flache Handy aus seiner Hosentasche. “Danke. Und sorry.”
Josephine nahm es ihm nicht übel, dass er sich so knapp und kurz angebunden von ihr verabschiedete. Sie stehen ließ, während er im Laufschritt auf sein Handy starrte und eine Nummer suchte. Eine Weile sah sie ihm nach, dass ihr gar nicht aufgefallen war, wie sich jemand von hinten genähert hatte. Die Schwarzhaarige bemerkte es erst, als man ihr gegen die Schulter tippte.
Casper Akins. Mit dem Jungen hatte sie als Letztes gerechnet.
“Hey”, lautete die irritierte Begrüßung, die er nur mit einem Nicken seinerseits erwiderte. Dann wanderte der Blick zur Seite, in die Travis vorhin verschwunden war.
“Alles in Ordnung mit ihm?” Vor dem Spiel hatte es der Sportler nicht geschafft den Mund aufzumachen oder Victoria zurechtzuweisen, aber jetzt, erkundigte er sich nach seinem Empfinden? Die LaRue schlug ihre Stirn in Falten vor Verärgerung. Sie selbst hätte gerne etwas zu der Blondine gesagt, aber Travis wirkte wie jemand, der sich selbst verteidigen konnte.
“Probleme in der Familie”, gab sie als vage Antwort, da Josephine nicht wusste, inwiefern der Mitschüler im Bilde war. Unwahrscheinlich, dass er überhaupt etwas von dem Cheerleader wusste. Mit Wissen konnte die Wölfin auch nicht prahlen, deswegen war es besser, sich mit den Worten zurückzuhalten.
Casper nickte. Seine Augen, ein brauner Schimmer von abgebranntem Holz, wichen ihrem Blick aus. Mit der Hand rieb er sich den Nacken. Die Geste ließ ihn so unbeholfen wirken und sie fragte sich, warum er so herumdruckste. Was wollte er denn von ihr und wieso fragte er den Lazar nicht selbst, wenn es sowieso um ihn ging? Die leise Frage »Woher kennt ihr euch?« brachte es endlich auf den Punkt. Daher wehte der Wind. Einfältig genug um Victorias Worte zu glauben? Wollte er auf dem scheinbar schlechten Ruf des Wolfes herumtrampeln?
“Aus einer Bar, aber das geht dich gar nichts an, Akins.” Josephine konnte nicht anders. Sich über den erschrockenen Gesichtsausdruck zu freuen, steigerte ihr Beschützergefühl. Geschah ihm recht, wenn er auf Travis herumhacken wollte. “Da läuft nichts und wird es nicht. An deiner Stelle würde ich anfangen selbstständig zu denken und nicht alles glauben, was Torie von sich gibt.”
Ihr Gegenüber schüttelte den Kopf, ob verwirrt oder verärgert konnte sie nicht sagen. “Ich habe nicht behauptet, dass ich das glaube! Es hat mich nur gewundert, dass ihr euch kennt.”
“Die Welt ist klein”, gab sie ihm postwendend zur Antwort. “Da kann es schon mal vorkommen, dass man den ein oder anderen kennenlernt. Wenn du wissen willst, wie es ihm geht, dann frag ihn selbst!” Der Junge gab ein Schnauben von sich, aber es machte nicht den Eindruck als würde er ihren Rat befolgen. “Trotzdem … gut gespielt, Akins”, setzte sie nach, was er noch mit einem ›Danke‹ beantwortete. Dann gingen sie getrennte Wege.

Nach der Begegnung mit Casper, suchte sie nach ihrem Vater, um ihm zu gratulieren. Er war in totaler Feierlaune, was nach dem Sieg keine Überraschung war. Antoine LaRue war ein Mensch, dem man seine 53 Jahre nur, durch den Ansatz weißer Haare und einigen Falten um Mund und Augen ansehen konnte. Für sein Alter war er noch attraktiv. Ohne Zweifel.
Mit seinem kräftigen Arm um ihren Schultern, zog er seine Tochter an sich.
“Schätzchen! Hast du gesehen, wie großartig meine Jungs heute waren?” Wie ein Fünfjähriger an seinem Geburtstag strahlte das Gesicht des Mannes.
Josephine musste bei der übertriebenen Freude ihres Vaters grinsen. “Sechs Siege in Folge, ich bin echt beeindruckt!” Antoine nickt eifrig, rief einen seiner Kollegen noch etwas zu, bevor er sich wieder an seine Jüngste richtete. Kurz darauf spürte sie seine Lippen an der Schläfe und wie er sie darum bat, ihrer Mutter bescheid zu sagen.
Noch während dem Fußmarsch zu ihrem Wagen, wählte die LaRue die Nummer ihrer Mutter.
“Hey, Süße. Wie war das Spiel?” Den Nebengeräuschen nach war sie gerade beim Mittagessen, das Besteck war immer überdeutlich auf dem Glastisch zu hören. Josephine warf einen kurzen Blick auf ihre Armbanduhr. Viel Zeit blieb nicht mehr, denn dann musste Monique in die Galerie und ihrer Arbeit nachgehen.
“Klasse, sie haben schon wieder gewonnen!”
“Das überrascht mich nicht, dein Vater ist einfach der Beste”, wurde am anderen Ende der Leitung gejubelt. Es war so schön zu sehen, wie sich Ehepartner füreinander freuten. Das zeigte von Liebe und Josephine war im Stillen dankbar für diese behütete Umgebung in der sie aufgewachsen war. “Das bedeutet, dass ich euch beide wohl erst gegen Abend sehen werde.”
“Dad bestimmt, er wollte mit seinen Jungs noch feiern und ich hatte heute vor, dass ich bei Arden übernachte.”
Seufzen. Es musste wirklich schwer sein, seine Kinder ziehen zu lassen, so machte es bei der zweifachen Mutter zumindest den Eindruck. Lang genug hatte sie mit ihren Eltern diskutiert, doch nun war Josephine wirklich alt genug, um sich ein eigenes Reich aufzubauen. Neben ihrem Wagen blieb sie schließlich stehen und beobachtete die abreisenden Leute. Einige hatten einen sehr euphorischen Ausdruck auf ihrem Gesicht, während andere wiederum betrübt und verloren aussagen.
“Vor vier Jahren ist Eglantine ausgezogen”, hörte Josephine sie sagen. Mütter hatten es wirklich nicht einfach.
“Tine hat auch zu lange gewartet.”
Ihre drei Jahre ältere Schwester war unglücklich gewesen. Aus denselben Gründen wie sie und hatte diese Einsamkeit mit sich rumgeschleppt. Ein Beitritt bei den Time Hollows kam nicht in Frage, also ist die älteste LaRue ausgewandert. Nach Norwegen und hat dort ihr Rudel und ihre Bestimmung gefunden. Eglantine war glücklich dort und kam zwei Mal im Jahr zu Besuch.
“Ich weiß”, seufzte Monique ergeben. Am Liebsten hätte Josephine sie jetzt in den Arm genommen.
“Ich bin zumindest nicht aus der Welt”, vertröstete die Wölfin. “Würdest du mir zwei Umzugskisten zum Eingang stellen? Ich hol sie gleich ab.” Die Zustimmung auf der anderen Seite war eher widerwillig, aber vorhanden. Also verabschiedete sie sich von ihrer Mutter mit einem ›Ich liebe dich‹ und legte auf.


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